Cellesche Zeitung, 05.01.23
Nachwuchsmusiker begeistern
Regionales Jugendsinfonieorchester tritt mit erarbeitetem Programm im Hagensaal auf
VON ANDREAS STOLZ
NIENHAGEN. Dienstagabend im Hagensaal. Das Publikum hat Platz genommen, es erwartet den Auftritt des "Regionalen Jugendsinfonieorchsters Hannover". Im Foyer schwört Dirigent Thomas Aßmus die jungen Musikerinnen und Musiker aus ganz Niedersachsen auf ihr Gastspiel ein. "Ich erwarte von euch konzentriertes, lustvolles Spielen, und habt Spaß dabei", gibt er den Nachwuchs-Instrumentalisten mit auf den (kurzen) Weg in den Saal.
Der Orchesterchef war genau wie sein Dirigentenkollege Malte Gerlach guten Mutes: Das Ensemble besteht aus "alten Hasen" und Neulingen, die die drei Programmteile eine Woche lang, nach Weihnachten und über Silvester, eingeübt haben. Und zwar in Nienhagen, so, wie es das Orchester alle Jahre wieder tut. Untergebracht war es in der dortigen Grundschule. Wofür der Musikpädagoge Aßmus der Kommune sehr dankbar ist und das vor dem Auftritt zum Ausdruck bracht. "Wie wir hier willkommen geheißen werden, das ist unbeschreiblich. Für uns ist das jedes Mal ein Gefühl, als wären wir wieder zu Hause angekommen."
In diesem Jahr, vor dem ersten Hagensaal-Konzert der jungen Leute nach der längeren Corona-Pause, hatte das Dirigenten-Duo mit dem Orchester das "Siegfried-Idyll" von Richard Wagner, die "Lieder eines fahrenden Gesellen" das Komponisten Gustav Mahler sowie die "Romeo-und-Julia-Fantasieouvertüre" von Peter Tschaikowsky einstudiert.
Zum Auftakt erklang jene Komposition Richard Wagners, von der Thomas Aßmus erklärend sagte: "Das Siegfried-Idyll stammt aus einer Zeit, in der Wagner glücklich war." Was sich in diesem Werk widerspiegelte, das überwiegend rhythmische und instrumentale Leichtigkeit verströmt. Das Werk vermittelt eine Atmosphäre mit romantischen Anklängen, die das Jugendsinfonieorchester in instrumental guter Abstimmung auch aufkommen ließ.
Das Dirigat von Thomas Aßmus war davon geprägt, dass er die Akzente mit weit ausgebreiteten Armen sowie mit intensiver Körpersprache setzte. Ein Konzertbeginn, der beim Auditorium ankam, auch bei Gudrun und Wolfgang Traupe. Sie sind "Stammgäste" dieser Veranstaltung, "weil sehr schöne Musik geboten wird und wir es toll finden, wenn junge Leute so engagiert Instrumente spiegeln".
Das Ensemble bestand zu einem großen Teil aus Schüern. Der Gesangssolist allerdings war ein Stimmkünstler, der auf dem Weg zum Meister seines Fachs ist. Dem lyrischen Bariton Johannes Worms gelang bei den höchst anspruchsvollen vier Liedern eines fahrenden Gesellen der Spagat zwischen den Gefühlslagen exzellent. Heiter-schwäremerisch und traurig-verzweifelt, das passte. Worms bestach durch ausgezeichnete Artikulation, durch stimmliche Sicherheit und Ausdrucksstärke in den Höhen und Tiefen, durch Emphase und mimisch-körpersprachliche Präsenz. Der Liederspezialist und Masterstudent in Hannover erntete für seinen gelungenen Vortrag, in gutem Zusammenspiel mit dem Jugendorchester, begeisterten Beifall.
Nach der Pause trat Malte Gerlach ans Dirigentenpult. Ein Mann, der "seine" Musiker mit einem klassischen Taktstock (an)leitete. Den breiten "Klangteppich", der Tschaikowskys Romeo-und-Julia-Komposition kennzeichnet, die in Takt und Noten ausgedrückten Emotionen zwischen Liebe und Glückseligkeit sowie zwischen Tragik und Tod arbeiteten die Nachwuchsinstrumentalisten gut heraus.

Cellesche Zeitung, 05.01.18
Reise durch die Romantik
Regionales Jugendsinfonieorchester Hannover begeistert
VON DORIS HENNIES
NIENHAGEN. Den Gesamteindruck vorweggenommen: Es war ein Genuss - diese musikalische Reise durch die Romantik im Neujahrskonzert des Regionalen Jugendsinfonieorchesters Hannover (RJO). Auf dem Programm - gespielt im Hagensaal in Nienhagen - standen diesmal Brahms, Strauss und Schumann. Das Publikum zollte der großartigen Leistung minutenlang anhaltenden, begeisterten Beifall und trotzte dem Ensemble unter der Leitung von Thomas Aßmus sogar noch eine Zugabe ab.
Mit der "Akademischen Festouvertüre" in c-Moll, op. 80, machte das rund 60 junge Musiker umfassende Orchester den Anfang. Johannes Brahms komponierte sie anlässlich seiner Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Breslau. Nicht ohne ein ironisches Zwinkern hatte er in einer üppigen klangmalerischen Romantikverpackung - ländliche Idylle: Schmetterlinge und Jagdhorn im Zwischenspiel zwischen Bläsern und Geigen - vier traditionelle studentische Burschenschaftslieder "verarbeitet". Zwei davon waren auch für das Publikum klar herauszuhören: der "Fuchstritt", heute besser bekannt als "Der Schneider fing 'ne Maus", und das pathetische "Gaudeamus igitur", mit dem dann auch voluminös in den Schlussakkord gegangen wurde. Von den beiden anderen erfuhr man aus dem Programmheft "Wir hatten gebauet ein stattliches Haus" und "Alles schweige".
Geschwiegen haben die Zuhörer höchstens aus Anerkennung und Ehrfurcht vor der Leistung der jungen Solistin Viktoria Krumme, die im "Konzert für Waldhorn und Orchester" in Es-Dur, op. 11, von Richard Strauss diesen Part, transferiert auf ihre Kontrabass-Tuba übernahm. So sanft, tief und rund, wie es im ersten Allegro begann, fast verhalten, blieb es nicht. Da hatte durchaus noch eine Portion Dramatik Platz. Erzählerisch, wie der damals noch junge Komponist - stets ein Vertreter der Romantik und damit "unmodern" in späteren Jahren - es mochte, lädt das Stück zum Träumen ein, surft auf einer Welle von Gefühlen. Solistin und Orchester - diesmal unter der Leitung von Malte Kröger - schmolzen wunderbar zusammen. Präzise Einsätze, gute Wechsel, gefühlvolle Betonung - alles auf den Punkt gebracht, ohne zu technisch zu wirken. Der tosende Applaus gebührte Solistin und Ensemble zu Recht.
Dramatisch dagegen ging es nach der Pause weiter mit der Sinfonie Nr. 4 in d-Moll, op. 120, von Robert Schumann. Auffallend: Es gibt keine Pausen oder markanten Abschnitte zwischen den Sätzen. Alles geht ineinander über, fließt dahin. Zwischen verträumten Romanzen brechen sich Momente der Zerrissenheit, von aufgewühlten Gefühlen Bahn - stets bedeutungsschwanger, voller Vorahnungen. Diese emotionale Zerrissenheit, das Getrieben sein des psychisch unstabilen Komponisten, spiegelt sich auch in diesem Werk wider und ließ den jungen Musikern des RJO kaum Momente des Verschnaufens. Um so großartiger die so scheinbar mit Leichtigkeit bis zu Ende stabil und fragil geführte Inszenierung.

Cellesche Zeitung, 04.01.12
Rhythmische Wucht und raffinierte Klänge begeistern
VON ROLF-DIETER DIEHL
NIENHAGEN. Mit einem begeisternden Konzert im Hagensaal bedankte sich das Regionale Jugendsinfonieorchester Hannover unter der Leitung von Thomas Aßmus bei der Gemeinde Nienhagen für die Gastfreundschaft anlässlich seiner Probenwoche und feierte zugleich sein 20-jähriges Bestehen.
Mit der spritzigen Ouvertüre zu Glinkas Märchenoper "Ruslan und Ljudmila" sorgten die rund 65 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren gleich zu Beginn für Stimmung im Saal. Und dann stand mit Schostakowitschs zweitem Klavierkonzert bereits der erste Höhepunkt auf dem Programm. Weit entfernt von flauschiger Belanglosigkeit stellte der gastierende Pianist Wolfgang Zill, Professor an der Musikhochschule, Hannover, im Zusammenspiel mit dem Orchester die ganze Doppelbödigkeit und Ironie des Werkes heraus. Mal heftig preludierend, mal mit kraftvollen Akkorden im Forte, mal in tiefer Versunkenheit entführte er das Publikum in klassische Klangwelten, wobei er sowohl die typische russische Schwermut als auch die Beschwingtheit der Bewohner des ehemaligen Zarenreiches zum Ausdruck brachte. Ein Spiel feinster Hämmer mit überwältigender Akkuratesse.
Nach der Pause erlebte das Publikum bei Liszts "Les Préludes" zwischen kraftvollen Fanfaren und besinnlichen Pastoralen quasi die Verschmelzung von Musik und Poesie. Ausdrucksstark, fast schon berauschend entfaltete das junge Ensemble unter Aßmus' einfühlsamen Dirigat das innige, breit ausgesponnene Liebesmotiv und die vom Komponisten geschilderten Seelenzustände, die Kämpfe und Stürme, den Schmerz und den Trost. Eine beeindruckende Interpretation. Mit Borodins exotisch-orientalisch gefärbten "Polowetzer Tänzen" ging das Konzert ebenso mitreißend wie vergnüglich zu Ende. Dem detailverliebt und bisweilen geradezu süffig musizierenden Orchester gelang es auch hier auf eindrucksvolle Weise, die vielen nuancierten Klangfarben des russischen Pathos' und die verschiedenen Stimmungen der einzelnen Sätze präzise heraus zu arbeiten und dem Publikum so das weite Feld dieser russischen Bildersprache mit ihren dynamischen Gegensätzen, mit ihrer rhythmischen Wucht und ihren raffinierten Klangwirkungen nahe zu bringen.

Lüneburger Landeszeitung, 10.03.09
Gute Musik für einen guten Zweck
Jugendsinfonieorchester spielte wieder bei Sternpartner
hjr Lüneburg. Eintauchen in slawische Musik wollte das Regionale Jugendsinfonieorchester Hannover mit seinem aktuellen Programm. Ausgesucht wurden Partituren von Sergej Prokofieff, Nikolai Tschaikin und Peter Tschaikowsky. Alle drei Werke brachte der ausgezeichnet präparierte Klangkörper mit seinen Dirigenten Bernhard von der Chevallerie und Thomas Aßmus prächtig zur Entfaltung. Das Autohaus SternPartner fungierte dabei erneut als Veranstalter eines sehr gut besuchten Benefizkonzerts.
Schon zum vierten Mal lud SternPartner, unterstützt von weiteren Lüneburger Firmen und Organisationen, das Orchester ein. Die bewährte Kooperation beschert neben konzertantem Vergnügen jeweils einer karitativen Einrichtung finanzielle Hilfe. Dieses Mal profitierte der Behindertenkindergarten am Kalkberg. Rund 2000 Euro wird Centerleiter Andreas Schulz überweisen.
Prokofieffs Ouvertüre über ein hebräisches Thema (1920) verbindet russisches Temperament mit jüdischem Kolorit - typisch die immer wieder aufblitzende Klarinette. Die talentierten Jung-Sinfoniker gestalteten das Werk transparent und homogen. Sie ließen Themen frisch leuchten, reagierten auf den Punkt präzise. Bernhard von der Chevallerie erwies sich als umsichtiger Leiter.
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